Die NZZ bekommt einen neuen CEO

18 Jun

Ab Oktober 2013 wird ein Österreicher, Veit Dengler, die NZZ leiten da Albert P. Stäheli in Pension geht.

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Veit Dengler (44), der neue CEO der NZZ. Quelle: Internetseite der NZZ

Wieso wir dies in unserem Blog erwähnen? Weil wir einen Bezug zu einem früheren Blogeintrag vermuten. Ihr erinnert euch an unseren Blogeintrag über die Rabatt-Gutscheine vom Verlagshaus Tamedia. Tamedia macht mit Gutscheinen auf seine Printprodukte aufmerksam und spielt somit wirksam die Werbetrommeln.

Uns scheint, dass auch die NZZ auf dieses Pferd setzt und mit Herrn Dengler einen bereits profunden Kenner der digitalen Discount- und Gutschein-Vermarktungswelt ins Boot holt. Veit Dengler hatte von April bis Oktober 2012 einen kurzen Auftritt als Vizepräsident des internationalen Unternehmens Groupon. Vielleicht kennt ihr Groupon bereits, Sie werben mit Rabatt-Angeboten für die verschiedensten Sachen. Meistens über eine Werbemail (Groupon stand bereits unter Verdacht Spam-Mails versendet zu haben) wird für ein Produkt oder Dienstleistung zu sehr guten Konditionen ein Angebot gemacht. Wenn sich genügend Interessenten melden, macht Groupon mit dem Hersteller einen Deal und die Kunden kommen über Groupon zu ihrem Gutschein.

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Homepage der Groupon. Quelle: Internet

Unsere Schlussfolgerung ist somit jene, dass die NZZ auf genau diese Berufserfahrung von Herrn Dengler zählt und auf diese Werbe-und Marketingstrategie setzten wird. Vielleicht werden die am häufigsten angeklickten Artikel der NZZ-Homepage zu einem Spezial-Preis angeboten oder umso mehr NZZ-Leser auf einen bestimmten Artikel klicken umso billiger kann man jenen herunterladen.

Der Wettbewerb im digitalen Mark ist heiss umworben, definitive Gewinner sind bis heute Google, Youtube und Facebook welche damit auch erfolgreich Geld verdienen. Es braucht jetzt mutige Köpfe in der Medienwelt um sich erfolgreich zu behaupten. Wir wünschen der „Alten Dame“ (NZZ) aus der Falkenstrasse viel Erfolg mit Herrn Dengler und möge er die NZZ sicher und erfolgreich ins nächste Jahrzehnt lenken. P.F.

Medienrecht und Medienethik

13 Jun

Brechen wir die Grossen Zeitungsverlage doch einmal herunter auf das wesentliche. Den Journalisten. Was macht einen guten Journalisten (mit Journalist sind auch die Journalistinnen gemeint) aus?

Für Journalistinnen und Journalisten gilt der Grundsatz: „Jedes denkbare Thema darf behandelt werden. Aber für die konkrete Behandlung von Themen gelten unterschiedliche Bedingungen. Sobald das gewählte Thema in die Privatsphäre einer Person ein, muss abgewogen werden ob dies veröffentlich werden darf oder nicht. Gerechtfertige wäre eine Publizierung nur, wenn das öffentliche Interesse überwiegen würde. Nur die reine Neugier der boulevardisierten Bevölkerung darf nicht ausreichen. Es ist wichtig, dass ethische und rechtliche Vorgaben eingehalten werden.

Auch bei staatlichen Geheimnissen muss die Information von öffentlichem Interesse sein. Der Artikel darf die Interessen das Staates nicht verletzen.

Die Regeln, welche für alle Journalisten und Journalistinnen gelten:

Kodex Recht a – Informationsfreiheit: Journalisten haben freien Zugang zu allen Informationsquellen und die Freiheit zur unbehinderten Ermittlung aller Tatsachen von öffentlichem Interesse

Kodex Pflicht1 – Wahrheit: Journalisten lassen sich vom Recht der Öffentlichkeit leiten, die Wahrheit zu erfahren

Kodex – Wahrheitssuche: Sie setzt die Beachtung verfügbarer Daten, Überprüfbarkeit und die allfällige Berichtigung voraus.

Kodex Pflicht – Kommentarfreiheit: Journalisten verteidigen die Freiheit der Informations, des Kommentars und der Kritik.

Kodex Pflicht – Privatsphäre: Journalisten respektieren die Privatsphäre, sofern das öffentliche Interesse nicht das Gegenteil verlangt.

Leider halten sich lange nicht alle Schreiber und Verlagshäuser an diese Regeln. Am extremsten voll die Ringier AG mit ihrer Boulevardzeitung Blick.

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Quelle: Online

Das Redaktionsteam vom Blick hat schon einige der Regeln gebrochen und wurde bereits mehrmals vom Presserat gerügt. Leider ohne Wirkung. Solange Ringier mit den reisserischen Schlagzeilen eine höhere Auflage erreichen kann, werden die Regeln nach ihrem Gutdünken zu Recht gebogen. P.F.

Der Nachfolgende Link zeigt einige der Vergehen auf:

http://www.edito-online.ch/aktuelleausgabe/ergaenzungenzumheft/brief-an.html

Quelle: So arbeiten Journalisten fair. Ein Ratgeber des Schweizer Presserates. Peter Studer und Martin Künzi. 2011. Reinach. Zuber AG

Quelle: edito-onine.ch

Alle Wege führen zu Tamedia…

11 Jun

Geht frau heute ins Kino, bekommt man neustens zum Kinoticket ein Exklusives Angebot in Form eines 50% Rabatt-Gutscheines für die SonntagsZeitung von Tamedia. Auf der Rückseite des Gutscheines ist dann auch noch die fette Werbung für 20 Minuten drauf. So langsam aber sicher fühle ich mich ein wenig verfolgt von der Tamedia. Im Zug wird man von der Pendlerzeitung von allen Seiten bedrängt und man liest die Schlagzeilen, ob man will oder nicht, beim Sitznachbarn im Zugabteil mit. Also lieber gleich selber ein Exemplar durchblättern. Und jetzt komme ich im Ausgang zu einer Vergünstigung von Tamedia in Form eines Bons für die SonntagsZeitung. Tja, den sparsamen Schweizer lockt man mit Diskonten.

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Bildquelle: PF

Aus reiner Neugier habe ich recherchiert wer eigentlich hinter KITAG AG, dem Kinobetreiber und somit Gutscheinverteiler von Tamedia steckt. Wikipedia klärt auf und lehrt uns, dass die KITAG AG die grösste Schweizer Kinobetreiberin ist. Weiter ist die KITAG teil der CT Cinetrade AG welche wiederrum eine Tochter der Swisscom ist. Und die Swisscom gehört zu 57% dem Bund.

Sollte der Bund nicht an der Medienvielfalt der Schweiz interessiert sein und die kleineren Verlagshäuser bei der Vergabe von Werbeflächen bevorzugen und unterstützen? Schön wär’s! P.F.

Die Paywall der NZZ

4 Jun

Die Ankündigung das Bezahlschranken, sogenannte Paywalls, eingeführt werden macht seit einiger Zeit die Runde.

Seit dem letzten Jahr sind die Inhalte der NZZ im Internet kostenpflichtig. Die Nachfrage nach Abos für digitale Zeitungsabos ist aber nach wie vor gering. Dies wäre der Schluss der Gratiskultur, die heute in unserer Medienlandschaft fest verankert ist. Doch die Online-Zeitungen sind nicht von Anfang an kostenpflichtig, die ersten 20 Abrufe werden gratis angeboten, danach muss der User den Artikel bezahlen, oder gleich ein Abo abschliessen.

Die Neue Zürcher Zeitung hat in der Schweiz die Vorreiterrolle. Bei der Einführung war die Userzahl eher gering, ist aber laut NZZ gestiegen. Neben Neukunden findet auch die Bestehende Leserschaft gefallen am Online-Angebot.

Die aktuellen Zahlen geben aber keinen Anlass zu Euphorie. Die Kosten die anfallen werden mit der Gebühr, die die User bezahlen bei weitem nicht gedeckt. Der Verkauf von Digital-Abos läuft nur mühsam, die Zugriffszahlen selbst erholen sich aber ein wenig.

Seit die Seite neu lanciert wurde und sich auf rein nachrichtlich orientiert. Durch diese aktivierte Themensetzung konnten vor allem am morgen mehr Zugriffe verzeichnet werden.

Der interessanteste Aspekt an der Einführung der Paywalls ist die künftige Entwicklung unserer Medienlandschaft. Die Frage wie sich die grossen Medienhäuser verhalten ist nach wie vor offen. Neben der NZZ arbeitet nun auch der Tages-Anzeiger an einer Paywall.

Ringier zögert nach wie vor mit der Einführung einer Paywall bei Blick. Diese soll erst zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden. Sie wollen zuerst von den anderen lernen und die Entwicklung beobachten.

Die Paywall wird für viele Zeitungen eine Einnahmequelle sein, die neben den Gebühren für Werbung einen zusätzlichen Batzen in die Kassen spielen wird, unter anderem um die Online- Publikation zu finanzieren. Doch ob die Online Leserschaft wirklich bereit ist etwas fürs Lesen zu zahlen bleibt offen. Die Wahrscheinlichkeit, dass andere Möglichkeiten gefunden werden ist gross.

Werden Internet-Zeitungen mehr gelesen als Print-Zeitungen?

4 Jun

Eine Internet-Zeitung ist eine Zeitung, die ausschliesslich im Internet veröffentlicht wird. Heute sind sie aber oftmals mit den Printmedien verbunden, da viele Verlage sowohl Print Zeitungen, als auch Internet-Zeitungen verteiben um die Auflage zu steigern. Oftmals sind die Redaktionen aber getrennt. Wenn das Layout und der Inhalt einer Zeitung eins zu eins ins Internet übernommen wird, spricht man nicht mehr von einer Internet-Zeitung, sondern von einer elektronischen Zeitung.

Internet-Zeitungen sind gespickt mit multimedialen Inhalten, wie Video- und Audiobeiträgen. Viele verschiedene interaktive Möglichkeiten sind geboten. Das Archiv kann durchsucht werden, Artikel die bereits zu einem Thema verfasst wurden, werden angegeben, man kommt durch klicken gleich dazu. Kommentare können abgegeben werden. Nachrichten werden schneller aktualisiert. Der Inhalt kann regional begrenzt sein. Sie sind weltweit abrufbar, die Auflage ist nicht begrenzt.

Internet-Zeitungen sind erfolgreich, weil die Rezipienten nichts dafür zahlen, gleichzeitig könnte dies der Todesstoss sein. Internet-Zeitungen finanzieren sich hauptsächlich über die Werbung, die Ausnahme bilden Zeitungen, die das Online-lesen als Zusatz im bezahlten Abo anbieten, oder das Anbieten von Fachartikeln, die nur geringen Konkurrenz unterliegen.

Der Spiegel war das erste Magazin das als Spiegel Online ab 1994 auch im Internet angeboten wurde.

Heute bieten die meisten Zeitungen ihre Ausgabe im Internet an, da sie nur so bestehen können. Die Leserschaft ist oftmals nicht bereit etwas für eine Zeitung zu bezahlen, also werden diese im Internet angeboten um die Leserzahlen bei zu behalten. Mit dem Aufkommen der Smartphones und Tablets, ist man immer und überall erreichtbar und online, wieso also nicht auch auf dem Weg zur Arbeit, die Zeitung über den App lesen, den man sich am Vortag herunter geladen hat?

Die Internet-Zeitung wird die Print-Zeitung aber nicht ablösen, oder zu mindest nicht in nächster Zeit, da viele doch noch dazu tendieren am Morgen bevor sie aus dem Haus gehen, während des Mittagessens oder nach dem Feierabend, die auf Papier gedruckte Zeitung zu lesen. Also wird es beides geben, natürlich nur solange sie sich finanzieren können.

Lassen wir die Kollegen sprechen

1 Jun

Was sagen eigentlich unsere Kollegen vom IPMZ, Institut für Publizistik und Medienforschung der Universität Zürich, zum Thema Medienwandel? Der Beitrag ist zwar bereits drei Jahre alt, doch immer noch aktuell. Wir finden das Video sehr gelungen und wünschen viel Spass beim schauen. P.F.

Medieninnovationen verändern die Art und Weise, wie wir öffentlich und privat kommunizieren. Digitalisierung und Konvergenz von Medien und Telekommunikation treiben diese Entwicklung voran. Wie zeigt sich der Medienwandel in der Schweiz? Dieser Film entstand im Forschungsseminar „Medienwandel – Gesellschaftswandel“ von Prof. Michael Latzer und lic. phil. Andreas Braendle am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ), Abteilung Medienwandel & Innovation, Universität Zürich. Mehr: http://www.mediachange.ch

Hass- oder Liebesbeziehen?

31 Mai

Politiker im Visier der Medien

Früher waren die grossen Tageszeitungen ganz klar den politischen Parteien zuzuordnen. NZZ folgte der liberalen Linie und der Tages-Anzeiger war und ist eher links orientiert. Es waren wie im letzten Blog erwähnt Meinungsmachende Zeitungen und weniger Informationszeitungen. Heute spricht man weniger von Parteizeitungen doch ist der Einfluss wohl immer noch spürbar. Böse Zungen behaupten gerne, dass die Weltwoche die Hausinterne Parteizeitung der SVP ist und der Verleger Roger Köppel nur dank dem Gutwill von Alt-Bundesrat Christoph Blocher zur Weltwoche kam.

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Bildquelle: Wenn der Shitstorm sich einen Politiker als Ziel ausgesucht hat, wird es für den Betroffenen in der Regel sehr unangenehm

Mit diesem Beitrag möchten wir dem Einfluss der Politik auf die Zeitungen nachgehen. Wir wissen bereits, dass die Medien als 4. Gewalt über das politische Geschehen wachen. Die Medien haben zwar keine direkte Gewalt in die Politik, sie können jedoch die Meinungsfindung stark beeinflussen. Umgekehrt brauchen die Politiker die Medien (wobei natürlich auch das Socialmedia dazugehört) um ihre politischen Anliegen einem breiten Publikum bekannt zu machen. Es ist für Politiker und Politikerinnen also von Vorteil mit den Medien auf gutem Fuss zu stehen. Wie schnell eine Liebesbeziehung jedoch scheitern kann, zeigen folgende Beispiele:

  • Lokaler SVP-Sprecher inmitten eines Shitstorms – Tages-Anzeiger
  • Wirbel um Jacqueline Badran – NZZ

Für viele Politiker ist es oft eine Gratwanderung und somit eine Hass-und Liebesbeziehung zu den Medien. Ein Beispiel für eine gute Beziehung mit den Medien ist und bleibt Alt-Bundesrat Adolf Ogi welcher als Medienminister in die Annalen einging.

  • Interview mit dem Medienminister Adolf Ogi – Persönlich

Politische Zeitungen

Wir haben auch heute noch drei Zeitungen, genauer gesagt Wochenzeitungen, welche sich vorwiegend auf die  Politik konzentrieren. In der Deutschweiz sind dies die WOZ (Wochenzeitung) und die Weltwoche. In der Westschweiz L’Hebdo. Politische Zeitungen bringen Hintergrundberichte, themenbezogene Artikel zur aktuellen Politik und des internationalen Geschehens. Politische Zeitungen sind meistens einer politischen Richtung zuzuordnen oder bieten ein Forum für Meinungen und Ansichten verschiedener politischer Meinungen. Bei uns ist die Weltwoche dem rechtsbürgerlichen Spektrum zuzuordnen und die WOZ dem links-alternativen Spektrum. Eine politische Wochenzeitung welche eine neutrale politische Position einnimmt gibt es im Moment nicht in der Schweiz. P.F.

Quelle: Matthias Künzler (2013). Mediensystem Schweiz. UVK Verlag